Nur so Kram » gedacht http://nursokram.de/blog ... Sat, 22 Oct 2011 19:15:05 +0000 en hourly 1 http://wordpress.org/?v=3.3 MMOG – Massiv Moneten verbraten bis zur Ohnmacht des Grauens http://nursokram.de/blog/2011/07/mmog-massiv-moneten-verbraten-bis-zur-ohnmacht-des-grauens/ http://nursokram.de/blog/2011/07/mmog-massiv-moneten-verbraten-bis-zur-ohnmacht-des-grauens/#comments Sat, 02 Jul 2011 16:52:54 +0000 Mathies http://nursokram.de/blog/?p=1507 Weiterlesen ]]>

Warum Abo-MMOGs nicht weit vom Glücksspiel entfernt sind


Die Alternative

Wer heute sinnlos Geld vor einer Maschine verlieren will, sich dabei aber nicht die Blöße eines Spielers in einem Automaten-Casino geben will, kann ganz bequem von zuhause aus Abhilfe schaffen.

Wie in der Werbung angepriesen und bei Download-Diensten wie Steam erhältlich kann man sich ein oftmals „kostenloses“ Massively-Multiplayer-Online-Game (MMOG ((Laut Wikipedia (2011-06-26) zu deutsch „Massen-Mehrspieler-Online-Gemeinschaftsspiel“, also ein Spiel, das viele Online gleichzeitig spielen können))) herunterladen und in irgendeine „faszinierende“ und „bunte“ Online-Welt eintauchen2.

Der Ablauf

Meist läuft man anfangs mehr oder weniger geleitet herum und muss einer niederen sklavischen Tätigkeit nachgehen, die einem auf Dauer Aufstieg in den Rängen des Spiels erlaubt. Das kann Dinge wie das Zerkleinern belebter Schleimklumpen, Serientöten unfreundlicher Orks oder Schürfen „wertvoller“ Ressourcen mit seltsamen Namen beinhalten. Nebenher läuft man tausende Kilometer Umweg, um abwegige Ziele zu erreichen, die für den nächsten Aufstieg absolut erforderlich sind. Nicht selten ist die Umgebung von bescheidener Schlichtheit geprägt. Braune Erde, braun-grünes Gras, braun-blauer Himmel und überall klobige Umgebung.

Nachdem sich der sorglose Spieler an die Gegebenheiten des Spiels gewöhnt hat, wird er über kurz oder lang feststellen müssen, dass er nicht allein ist. Auch andere schürfen und schächten was das Zeug hält.

In die Freude über die Gemeinsamkeiten mischt sich schnell eine Spur Neid, wenn der arglose Spieler ansehen muss, wie einige der neuen Online-Freunde ihren XXL-Spaten oder das Heldenschwert Stufe 20 von 100 zum Schächen monströser Orks zückt und gnadenlos besser dasteht als der Spieler.

Missgunst

Der Neid schwingt nicht viel später in Missgunst um, wenn der Spieler erkennt, dass der Erfolg der ruhmreichen Konkurrenz finanzielle Gründe hat. Im Gegensatz zum Kostenlos-Spieler bezahlen einige andere teures Geld – zum Teil im Abo, um die eine oder andere Abkürzung zu nehmen, die Spielfigur kräftig aufzuhübschen oder mit besonders tollen imaginären Gegenständen auszustatten.

An seinen blutig geklickten, zitternden Händen rechnet der Spieler schweißgebadet aus, wieviele Jahre er noch „spielen“ müsste, um mit den gepushten Mitspielern gleichzuziehen. Wie er mittlerweile gelernt hat, wird das erreichen höherer Stufen immer schwieriger und schnell nahezu unmöglich. Nach einigem Nachdenken ist das Ergebnis gefunden: Bei Annahme, dass der Tag 48 Stunden hat und Familie etc. eine vernachlässigbare Stellung einnehmen, könnte das Unterfangen in weniger als zwei Jahren zu bewältigen sein.

So gesehen ist der Griff zur Kreditkarte nur ein konsequenter, logischer Schritt, um der Vorhölle der Verdammnis zu entkommen. Ein paar Euro im Monat sind schon drin, um der Entwicklung des Spiel-Charakters etwas nachzuhelfen.

Endlich der Vorhölle entkommen kann sich der Spieler nun mit bestem Gewissen seinen Online-Freunden anschließen, um gemeinsam die Welt von noch größeren und mächtigeren Schleimklumpen, Orks etc. zu befreien.

Fortschritt

Besonders fortschrittlich an dieser Methode zur sinnlosen Geldvernichtung ist das mögliche Startalter der Spieler. Die vorwiegend männlichen Zocker müssen nur im Besitz oder in Reichweite einer Kreditkarte sein und können so unter Umständen vor erreichen der Volljährigkeit beginnen, „rein am Spielerlebnis orientierten“ Firmen Euros in den Rachen zu werfen.

Selbst beim schlechtesten aller erfolgreichen Spiele funktioniert das gute alte „Den-noch-und-dann-hör-ich-auf“-System, dass es dem Spieler zusehends schwerer macht, eine Pause einzulegen. Ständige Konkurrenz mit den anderen verlorenen Seelen und immer wieder anders eingefärbte Edelsteine und Gegenstände lassen den Spieler nicht los. Und ohne noch mehr Geld geht sowieso nichts.

Wochen vergehen, dann Monate, zuletzt Jahre. Der Spieler3 wird mürbe und verliert langsam den Verstand.

Die Erlösung

Das Ende kommt zu einem scheinbar zufällig bestimmten Zeitpunkt und bringt die Erlösung: Entweder wird der Spiel-Account durch einen Fehler im System zerstört oder die Kreditkarte entgültig gesperrt. Es wird Zeit, die Wirbelsäule nach Jahren des Krummsitzens aufzurichten, die Augenlieder für etwas mehr als die üblichen wenigen Millimeter zu weiten, sich sachte an das Verlassens der Sitzposition zu gewöhnen und den, durch ständige Überlastung blau gewordenen Zeigefinger der Maushand unter warmes Wasser zu halten.

Nach Jahren geistigen und körperlichen Verfalls kann der Spieler wie ein Demenzkranker auf die letzte Zeit zurückblicken und sich glücklicherweise an nichts erinnern. Noch Wochen quälen ihn seltsame Minenarbeitsträume, in denen er immer und immer wieder gegen eine Steinwand schlägt, aber keinen Millimenter vorankommt.

Trotzdem hat er ein unbestimmtes Gefühl: Ab jetzt kann es nur noch besser werden.

  1. Workers exiting the PV&K’s Clover Gap Mine near Lejunior, Kentucky, USA (Public Domain)
  2. Um hier einmal genauer zu werden: Es geht mir nicht um E-Gaming im halb-/vollprofessionellem Sinn, sondern in der Hauptsache um lieblose Online-Rollenspiele, die schon durch ihre Aufmachung klar machen: Hier geht’s nicht um Spielspaß, sondern um Geld.
  3. Und manchmal sind auch Spielerinnen betroffen. Manchmal.
  4. 2 World of Warcraft Cosplayer, verkleidet als Nachtelf Druiden. von Elvis untot (CCSA 3.0 Unported)
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Sichere Passwörter werden immer wichtiger http://nursokram.de/blog/2011/01/sichere-passworter-werden-immer-wichtiger/ http://nursokram.de/blog/2011/01/sichere-passworter-werden-immer-wichtiger/#comments Sun, 30 Jan 2011 12:25:43 +0000 Mathies http://nursokram.de/blog/?p=1379 Weiterlesen ]]> KombinationsschlossDas Knacken von Passwörtern im großen Stil wird zunehmend problematischer1. Immer wieder werden Fälle von massenhafter Ausspionierung bekannt.

Auch Seiten, deren Admins man zutraut, in Sicherheitsfragen Ahnung zu haben, sind nicht sicher. Das zeigt sich gerade im Fall von SourceForge, einem Dienst für Entwickler. Dort müssen momentan alle Nutzer ihr Passwort erneuern, weil ein Ausspionieren der Nutzerpasswörter nicht ausgeschlossen werden kann.

Vermutlich gibt es zusätzlich reihenweise Seiten, die bereits von Hackern heimgesucht wurden, ohne dass es jemand bemerkt hat. Die Daten, die eingesammelt werden, müssen schließlich nicht sofort benutzt, sondern können für maximale Wirkung weiter genutzt werden.

Besonders auffällig sind die einfach zu erratenden Passwörter vieler Nutzer. Im Fall der Ausspähung von Gawker-Nutzern stellte sich bei der Auswertung der öffentlich gemachten Daten heraus, dass sehr viele Menschen zu einfache Passwörter wie “123456” oder “password” benutzern – und das vermutlich nicht nur auf dieser Seite, sondern auch auf anderen. Wer auf vielen Seiten dasselbe Passwort verwendet, riskiert also auch andere Accounts.

Um seine Daten zu schützen, gibt es ein paar einfache Grundregeln:

  • Sichere Passwörter verwenden – nichts verwenden, was im Wörterbuch steht, möglichst Sonderzeichen, Groß- und Kleinschreibung mit Sonderzeichen mischen, mindestens 7 Zeichen verwenden; man kann auch Tricks anwenden, um sich das Merken zu erleichtern
  • Für wichtige Seiten jeweils unterschiedliche Passwörter verwenden – wenn dann doch mal ein Account geknackt wird, haben die Hacker wenigstens keinen Zugang zu weiteren Accounts
  • Passwörter sicher speichern – am besten auf Papier oder in einem Programm wie KeePass, das auch durch ein Passwort gesichert werden kann
  • In Internet-Cafés oder während des Besuchs bei anderen besonders aufpassen – am besten wichtige Aktivitäten wie Online-Banking nur am eigenen, gesicherten Gerät durchführen und an anderen Geräten aufpassen, dass Passwörter nicht gespeichert werden; Ausloggen nicht vergessen

Diese Regeln sind zwar einfach, aber nicht gerade nutzerfreundlich2. Komplizierte Passwörter auswendig lernen macht keinen Spaß, genauso wenig wie ständiges Nachschlagen beim Einloggen.

Es ist nicht nötig, alle Accounts bombensicher zu machen. Bei Accounts, die einem nicht allzu wichtig sind, kann man (weiterhin) irgendwelche Passwörter verwenden.


Bild: “A combination lock with letters.” von Mysid

  1. Was nicht heißen soll, dass man Jeff Atwoods Rat, sich mit so etwas wie OpenID anzufreunden, allzu ernst nehmen sollte
  2. Theoretisch wäre es außerdem sinnvoll, wichtige Passwörter alle paar Monate oder Jahre zu ändern. Praktisch ist das jedoch problematisch, weil man sich schnell selbst aussperren kann, wenn man nicht genau aufpasst.
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Maximale Sättigung: Überreizung durch Bild und Ton http://nursokram.de/blog/2011/01/maximale-sattigung-uberreizung-durch-bild-und-ton/ http://nursokram.de/blog/2011/01/maximale-sattigung-uberreizung-durch-bild-und-ton/#comments Sun, 23 Jan 2011 18:22:41 +0000 Mathies http://nursokram.de/blog/?p=1349 Weiterlesen ]]> In Branchen, in denen es um Profit geht, ist es seit jeher so: Nicht die graue Wirklichkeit zählt, sondern das, was man daraus macht.

In einem Zeitalter der Massenmedien, in dem jeder für sich Texte, Bilder und Musik konsumieren kann, müssen Firmen erfinderisch sein, um Kunden an sich zu binden. Um die Masse zu erreichen, muss das Produkt auf den kleinsten gemeinsamen Nenner gebracht werden.

Das “klein” in “kleinster gemeinsamer Nenner” ist etwas irreführend. Im Bereich der digitalen Medien geht es um Maximierung. Mit maximal wirksamen Ton und Bild wird die größte Aufmerksamkeit erzielt, getreu dem Motto: Wer am lautesten schreit, hat gewonnen

Audio

Sophie Ellis-Bextor: Murder on the Dancefloor; Signalpegel ist maximal verstärkt

Beim Ton wird das erreicht, indem man den Pegel der Audiosignale künstlich anhebt. Dadurch wird ein Überreizungseffekt provoziert, der dafür sorgt, dass man das Signal lauter empfindet als es ist. Man kann das leicht im Fernsehen nachvollziehen: Sobald die Werbung läuft, die mit solchen Mitteln arbeitet, erscheint der Ton viel lauter, obwohl nichts verstellt ist. Ich beschrieb das vor Monaten in Musik oder Lärm?

Bilder

Bei Bildern wird das Maximieren der Reize ebenfalls zusehends perfektioniert. Mit digitalen Mitteln lässt sich retouchieren, neu ausleuchten und ersetzen, was nicht passt. Die Wirklichkeit ist zu langweilig und zieht nicht genug Aufmerksamkeit auf sich. Sehr schön sieht man das an Zeitschriften-Covern, wie in Der fahle Nachgeschmack von Plastik beschrieben.

Offenbar wird die Kultur der Stilisierung von Hobbygemeinden übernommen. Ein Foto darf nicht mehr einfach nur Foto sein, es muss eine Interpretation bieten. Farben und Ausleuchtung dürfen beliebig angepasst werden, um das Bild aus der mäßig spektakulären Wirklichkeit zu ziehen. Jeder Pixel soll sich maximal wirksam in die Augen des Beobachters zwingen.


Age of Enlightenment von `gilad (deviantART)

Film

In der Symbiose, im Film, können Maximalton und Maximalbild miteinander kombiniert werden, während noch weitere Techniken dazukommen, die das Hirn in den Hinterhalt locken, zum Beispiel schnelle Kamerawechsel, unübersichtliche Szenen, Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen Handlungsorten1. Dazu kommen die immer größer werdenden Flachbildschirme zur Darstellung und  Surround-Boxen.

Der Film geht aber noch einen Schritt weiter. Dank moderner Blue-Box-Verfahren in Kombination mit mittlerweile ausgereifter 3D-Technik lassen sich Sets kosteneffizient und trotzdem extrem wirksam aufbauen.

Szenen, die früher sehr aufwendig zu drehen und mit hohen Kosten verbunden waren, lassen sich heute im Studio umsetzen. Für einen Blockbuster ist es nicht mehr zwingend notwendig, mitten in einer Großstadt für Stunden den Verkehr aufzuhalten, um eine belebte Szene zu drehen. Man muss auch nicht mehr auf Brücken und Hochhäusern gefährliche Stunts drehen, die mit hohem Sicherheitsaufwand einhergehen2.

Teile der Bilder, die der Kunde also zu Gesicht bekommt, hat es nie gegeben. Das eröffnet neue Möglichkeiten, denn auch vorher undenkbare Sets lassen sich damit umsetzen. Auf der anderen Seite geht Authentizität beim Dreh verloren. Sich als Schauspieler vorzustellen, irgendwo zu sein bleibt nun mal hinter der echten Erfahrung zurück. Und auch noch so echt wirkende 3D-Landschaften können es mit der Realität nicht aufnehmen3.

Was nun?

Was bedeutet das alles nun für den Kunden? In einer Medienwelt, in der alles auf Maximum getrimmt wird, gehen die Zwischentöne verloren. In einem Blockbuster gibt es im Idealfall keine Tristheit, keine Langeweile für das Gehirn. Es wird für die Zeit der Aufnahme vollgepumpt, vergisst aber auch sehr schnell wieder, womit es gerade noch erschlagen wurde.

Man kann diese Entwicklung verteufeln und die moderne Technik dafür verantwortlich machen, irgendeinen Verfall der Werte und Normen feststellen und Besserung fordern. Aber es scheint, dass die angesprochenen Techniken im Grunde vielen willkommen sind.

Wenn im Gegensatz dazu nicht der kleinste gemeinsame Nenner gewählt wird, bedeutet das auch, dass mehr Anspruch oder Toleranz für bestimmte Ansichten an den Zuschauer gestellt wird. Das will nicht jeder und immerzu. Das war früher schon so und wird wohl so bleiben, ist also typisch menschlich.

Es kann aber nicht schaden, darüber bescheid zu wissen, wie man manipuliert wird und was solche gestylten Produkte mit einem anstellen.

  1. ist zum Beispiel “Standard” im TV-Serienbereich “Crime”
  2. Wie das wohl Schauspieler finden, mit diesen Techniken zu arbeiten?
  3. in die Blue-Box kopierte Videoaufnahmen ausgenommen
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Ein digitales Gefängnis http://nursokram.de/blog/2011/01/ein-digitales-gefaengnis/ http://nursokram.de/blog/2011/01/ein-digitales-gefaengnis/#comments Thu, 06 Jan 2011 20:33:52 +0000 Mathies http://www.nursokram.de/blog/?p=1221 Weiterlesen ]]> Wer moderne Spiele am PC spielen möchte, kommt langfristig nicht mehr daran vorbei: Game Clients. Der bekannteste dürfte Steam sein, aber es gibt auch von Electronic Arts, Metaboli und Microsoft entsprechende Software, die verschiedene Aufgaben wahrnehmen, die sich um die Spielesammlung drehen.

Positives

Eine der positivsten Eigenschaften dieser Programme ist, dass man Spiele über das Netz kaufen oder zumindest herunterladen kann. Man bekommt keinen Datenträger in die Hand gedrückt, von dem ein Spiel installiert werden muss, sondern lädt das Spiel im Idealfall direkt herunter1 und kann es danach oder sogar nach dem Laden von Grunddaten spielen. Mit einer externen Festplatte lassen sich die Spiele recht problemlos sichern und zum Beispiel bei einem PC-Wechsel leicht wieder aktivieren.

Ein weiterer Vorteil ist das einfache Update der vorhandenen Spiele. Der Client erkennt automatisch, dass für ein Spiel neue Daten bereit liegen und verteilt sie, wenn der Spieler sich anmeldet. Er muss sich nicht mehr selbst darum kümmern, seine Spiele auf dem neuesten Stand zu halten.

Für den Vertrieb von Spielen ist das Konzept außerdem extrem lukrativ, weil die Distribution ohne Einzelhändler oder sonstige Mittelsmänner auskommt. Nebenher können durch den Internetzwang problemlos Statistiken ohne Ende angelegt werden und der Nutzer gut überwacht werden.

Negatives

Neben den Vorteilen haben sich Nachteile ergeben, die mittlerweile die Vorteile aufzuwiegen beginnen.

Steam (wie auch Windows Live) muss gestartet sein, um ein Spiel zu beginnen. Steam ist erst gestartet, wenn sich der Client “zuhause” gemeldet hat und akzeptiert wurde.

Das gilt leider auch, wenn man ein Spiel solo spielen möchte, also dafür keine Internetverbindung bräuchte. Wer gerade nicht ins Netz kommt, Probleme mit dem Account oder dem Client hat, kommt somit nicht zum Spielen, obwohl eigentlich kein “echtes” Problem besteht.

Beispiel GTA 4

GTA 4: Abhängigkeiten

GTA 4: Abhängigkeiten

Am Beispiel von Grand Theft Auto wird das Dilemma deutlich. Während man den Rockstar Social Club noch im Offline-Modus betreiben kann, muss für das Speichern des Fortschritts Windows Live aktiviert sein. Um Windows Live benutzen zu können, muss man bei Microsoft entsprechend eine Mailadresse und ein sogenanntes Gamertag anlegen. Der Spielfortschritt wird online und dem Gamertag zugeordnet gespeichert.

Um aber überhaupt diesen “Service” in Anspruch zu nehmen, muss sich der Spieler erst per Steam anmelden. Wenn beide Services erreichbar sind und funktionieren, wird der Spieler mit zwei Overlays “beschenkt”, die sich direkt im Spiel aufrufen lassen und Zugriff auf Freundeliste und Einstellungen zulassen.

Wenn nun einer der Services ausfällt, lässt sich GTA 4 auch im Solo-Modus nicht spielen, die wichtigen Daten werden schließlich nicht lokal gespeichert.

Noch vor ein paar Jahren wäre das anders gelaufen. Für den Einzelspielermodus hätte man keinen Internetanschluss gebraucht oder sowas wie Freundeslisten und Chat optional eingeschaltet. Für den Mehrspielermodus hätte man sich anonym mit einem Server des Anbieters verbunden und alle Inhalte von dort bezogen. Fortschritte wären verschlüsselt auf der eigenen Festplatte gelandet2. Wenn der Server zeitweise nicht erreichbar wäre, könnte man zumindest allein spielen.

Entmündigung

Auf subtile Weise wird der Spieler durch die beschriebenen Maßnahmen entmündigt. Es ist ihm nicht mehr erlaubt, ein Spiel ohne Mitwissen der Service-Betreiber zu starten. Er hängt praktisch am Tropf der Betreiber und hat kaum Einfluss auf die Daten, die er erzeugt.

Wer Probleme mit seinem Steam-Account bekommt3 und den mäßig brauchbaren Support anschreibt, kann nicht nur ein Spiel nicht spielen, sondern alle4 . Geht der Account verloren, können Monate oder Jahre des Spielens zunichte gemacht werden.

Die Schnittstellen zwischen Servicebetreibern und Kunde sind also sehr dünn, während die Zahl der Abhängigkeiten recht groß sein kann.

Auf lange Sicht

Neben diesen mittelfristristigen Problemen gibt es jedoch auch ein langfristiges. Die Services werden irgendwann entweder bestimmte Spiele nicht mehr unterstützen oder selbst untergehen. Angenommen, Steam geht in 10 Jahren ersatzlos bankrott: Alle Spiele, die das Programm vorraussetzen, sind dann vorerst nicht mehr spielbar.

Spätestens hier wird deutlich, dass diese Technologien vieles sein mögen, nur nicht (mehr) ernsthaft spielerfreundlich. Das Spiel wird zu einem Wegwerfgut degradiert (von Abo-Spielen abgesehen), das ohnehin durch etwas Neues ersetzt wird. Und das Neue soll auch gekauft werden, denn letztlich geht es um Kostenreduktion5, Kontrolle6 und nicht zuletzt Profit.


Bild: “Blurry Prison” von Shayan Sanyal

  1. komprimiert, schätze ich
  2. Es wird gerne argumentiert, dass die Speicherung des Fortschritts im Netz sicherer sei als lokale Speicherstände. Irgendwie kommt mir das unglaubwürdig vor.
  3. zum Beispiel, weil er gehackt, gelöscht oder deaktiviert wurde
  4. bei anderen Services, die Overlays benötigen, trifft das analog auf die enteprechenden Spiele zu
  5. mehr Online-Support statt Hotline, keine Kosten durch Datenträgererstellung und Verteilung, etc.
  6. als Abwehr von Produktpiraterie, zum Beispiel
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Es liegt mir fern, dir nah zu sein http://nursokram.de/blog/2010/09/es-liegt-mir-fern-dir-nah-zu-sein/ http://nursokram.de/blog/2010/09/es-liegt-mir-fern-dir-nah-zu-sein/#comments Sat, 25 Sep 2010 14:43:38 +0000 Mathies http://www.nursokram.de/blog/?p=1096 Weiterlesen ]]>

Zwischenmenschliche Kommunikation

Kommunikationsdarstellung von Einar Faanes (Lizenz: CC ASA 3.0 Unported: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en)

Heutzutage nicht mehr so oft geläufig wie früher, aber immer noch die effektivste Form der zwischenmenschlichen Kommunikation: Treffen und Reden.

Bei der direkten Kommunikation von Mensch zu Mensch an einem Ort zur gleichen Zeit direkt voreinander bringt mehr Erkenntnisse als jede andere Kommunikationsform.

Entscheidend dabei ist die Nähe. Körpersprache macht wenigstens 80% der Kommunikation aus. Egal, was und wie man etwas sagt, die Körpersprache legt den Kontext fest. Alle anderen Teile der Sprachübermittlung ordnen sich meist unter.

Wer von fröhlichen Hochzeitsvorbereitungen spricht, aber dabei die Schultern hängen lässt, vermittelt dadurch eindeutig seine eigentliche Einstellung.

Wer von der tragischen Entlassung eines Kollegen erzählt, dabei aber nur mit Mühe ein Grinsen unterdrücken kann, verrät mehr über seine Beziehung zum Kollegen als ihm vielleicht lieb ist.

Telefon

Nach der direkten Kommunikation geht es schnell bergab mit der Verständigung. Am Telefon* wird das Gespräch auf die Stimme reduziert. Dadurch fällt die Körpersprache weg und lässt eine riesige Spekulationsblase zurück. Wenn man die Person am anderen Ende nicht kennt, kann man sich anhand der Stimme nur ein Phantasiebild des Gegenübers schaffen, das höchstwahrscheinlich extrem wenig mit der tatsächlichen Person übereinstimmt. Alter und einige Angewohnheiten lassen sich vielleicht noch erraten, aber das Gesamtbild bleibt extrem oberflächlich.

Auch einige Hemmschwellen werden verringert. Wenn man nicht vor jemandem steht, fällt es leichter, unangenehme Dinge zu sagen. Manchmal kann das ein Segen sein, wenn die direkte Kommunikation nicht mehr funktioniert. Oft ist es aber ein Mittel, um einer Konfrontation auszuweichen und es sich leicht zu machen.

Der Klassiker unter diesen Fällen ist das Schlussmachen – Er oder sie ist zu ängstlich, um dem Partner gegenüber zu treten, aber stark genug, am Telefon ausfallend zu werden. Auch das Beschimpfen von Callcenter-MitarbeiterInnen kann stressabbauend wirken.

Ohnehin ist das Telefon ein gut geeignetes Frustbewältigungsmedium. Die Person am anderen Ende kann nicht durch den Apparat gekrochen kommen, um etwas gegen Beschimpfungen und Unterstellungen zu unternehmen. Sie muss sich mit den Beleidigungen abfinden oder sinkt auf das gleiche Niveau und streitet mit.

Internet

Im Netz wird die Gesprächsituation noch einmal deutlich problematischer. Während durch die Stimme ein gewisser Kontext gegeben werden kann, dominiert im Netz das Geschriebene Wort**.

Die Spekulationsblase wird dadurch noch größer: Man weiß in vielen Fällen nicht wie jemand aussieht, spricht, sich verhält und dessen Aussagen einzuordnen sind.

Hinzu kommt, dass Meinungsäußerungen oft kurzer Art sind. Wenige Sätze müssen ausreichen, um eine Person einzuschätzen.

Angesichts dieser Ausgangslage ist es nicht verwunderlich, dass Missverständnisse die Regel und nicht die Ausnahme sind.

Neben den Missverständnissen verschärft sich ein weiterer Faktor: der Ton.

Schon beim Telefonieren sinkt die Respektgrenze sehr deutlich. Im Netz wird diese Grenze allerdings gegen Null gedrückt. Ohne Einschreiten eines Moderators kann es vielerorts selbst bei kleinsten Meinungsabweichungen zu verbalen Kleinkriegen kommen, in denen Beschimpfungen an der Tagesordnung sind.

Diese niedere Art der Kommunikation ist in der Regel eine männliche Domäne und der rauhe Umgangston wird nicht selten von Vorreitern dieses Umgangs als männlich betrachtet. Für geschockte Neulinge und Leute, die den ausgeglichenen Dialog pflegen, ist der aktuelle Zustand solcher Diskussionen meist erschreckend oder sogar unannehmbar. Kritik an der Diskussionskultur wird jedoch meist mit dem “Selbst Schuld”-Argument erdrückt. Allgemein gilt: Wer nicht hart genug für die Online-Diskussionen ist, sollte sich gar nicht erst beteiligen. Die Welt ist hart, das Leben ein Kampf. Kompromisse waren gestern.

Im Netz kann man endlich alle Vorurteile loswerden, die man im realen Leben nicht mal erwähnen würde, kann sich in Rollen probieren, die der glanzlosen Realexistenz entgegengesetzt gegenüberstehen. Das durch Abwesenheit von Stimme und Körper entstehende Vakuum kann suggestiv beliebig gefüllt werden. Ein Mann kann sich als Frau ausgeben, ein Schwacher als Starker, ein Langweiler als Hipster.

Einerseits schafft diese Losgelöstheit neue Möglichkeiten der Selbstverwirklichung und -darstellung, auf der anderen Seite zerstört es jede Basis der ernsthaften Disskussionskultur. In einem Raum, in dem jeder alles sein kann, beliebig beleidigend und uneinsichtig, kann man über reine Sachfragen hinaus nur schwer zu Lösungen und Kompromissen kommen. Es besteht die Gefahr, dass sich die Diskussionsteilnehmer im Kreis drehen und keinen Schlusspunkt finden.

Nicht nah genug

Zu den bisherigen Problemen kommt hinzu, dass man viele Diskussionsteilnehmer gar nicht kennt. Es wird für manche schon schwierig, mit Freunden im Netz eine sinnvolle Diskussion zu führen. Mit Fremden wird es nur noch schwerer.

Um nicht komplett in Schwarzmalerei zu versinken: Die genannten negativen Effekte betreffen in erster Linie Diskussionen mit gegensätzlichen Haltungen.
Bei Sachfragen kann das Netz von enormer Bedeutung sein. Man kann in Foren und auf speziellen Frageseiten Detailfragen stellen und oft mit Hilfe und Verständnis rechnen.

Dazu kommt, dass nicht alle Diskussionsteilnehmer in einer ungünstigen Haltung verharren. Wiederkehrende Diskussionsteilnehmer sozialisieren sich untereinander mit der Zeit, sodass die Konfrontationen in geregelteren Bahnen verlaufen oder Kompromisse geschlossen werden.

Insgesamt ist die Diskussionskultur im Netz meiner Meinung nach in erster Linie problematisch und überwältigend oft unkonstruktiv. Ob sich das irgendwann ändert? Und wodurch?

* Bildtelefonie als Zwischending ausgenommen
** Es ist freilich nicht das einzige Mittel, aber noch immer das einfachste und vorherrschende

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Das Rauschen am Meer der Irrelevanz http://nursokram.de/blog/2010/09/das-rauschen-am-meer-der-irrelevanz/ http://nursokram.de/blog/2010/09/das-rauschen-am-meer-der-irrelevanz/#comments Sat, 25 Sep 2010 14:22:05 +0000 Mathies http://www.nursokram.de/blog/?p=1093 Weiterlesen ]]>

Asilomar State Beach (Breaking Wave)

Wellen am Asilomar State Beach, Foto von Tewy (Lizenz: CC ASA 3.0 Unported: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en)

Wohin man auch schaut, Kommentare in Blogs und Portalen wie spiegel, heise oder zeit: Sinnvolle Kommentare sind Mangelware.

Viele derer, die kommentieren, scheinen grundsätzlich keine guten Absichten zu haben, wenn sie ihr einseitiges Bild der Wirklichkeit in die Online-Welt trollen (echte, unpolitische Trolle mal ausgenommen).

Der Linke

Der Klassiker unter diesen bissfesten Besserwissern ist der radikale Linke. Alles ist schlechter geworden, besonders die soziale Situation, Hartz IV ist vom Teufel gesandt und Politiker sind elende Lügner, die nur auf sich und nahestehende Lobbyisten hören, nicht aber auf “das Volk”, geschweige denn auf _sie_. Wer nicht zum vertrauenswürdigen Kreis der Links-Wähler gehört, macht sich automatisch der definitiv bald kommenden politischen Apokalypse mitschuldig.

Der paranoide Hysteriker

Ebenfalls mit Engstirnigkeit ist der paranoide Hysteriker gesegnet. Oftmals sind ihm Themen wie Datensicherheit und Freiheit im Netz wichtiger als den meisten anderen. Hinter jedem Vorschlag zum Datensammeln, zu jedem Gesetzesentwurf schrillt bei ihm innerlich eine Alarmglocke, die signalisiert: Das ist der Anfang vom Ende. Die Apokalypse ist nah.

Verdreht

Der Besserwisser vom Dienst, der seine beschränkte Ansicht meist mit wenigen Worten zum Audruck bringt, ist sich nicht zu schade, im Zweifelsfall jede erdenkliche Vermeidungsstrategie anzuwenden, um recht zu behalten:

  • Eigentlich war die letzte Anmerkung ganz anders gemeint …
  • Als ich sagte, dass X zutrifft, sollte das selbstverständlich Y heißen …
  • Du kannst ja gar nicht mitreden, weil du nicht ich bist …
  • Dein zu kurz geratener Beitrag ist zu kurz geraten und unzulänglich. Ist doch egal, dass meine Beiträge auch so sind …
  • Du bist eh doof, weil du doof schreibst …
  • Du hast ein “m” in “immer” vergessen. Wer die Rechtschreibung nicht beherrscht, braucht gar nicht erst mitreden …
  • … Und jetzt beantworte endlich mal meine verdrehte “Frage”, sonst ignorier’ ich dich genauso wie den Typ mit den sachlichen Argumenten.

Die “anderen”

Neben diesen typischen Vertretern der Nörgelfraktion gibt es außerdem noch eine Reihe weniger leicht einzuschätzender Leute, deren drei Sätze zum Thema nur zum Kopfschütteln oder Stirnrunzeln ausreichen.

Nicht selten verstecken sich hinter den sinnbeschnittenen Kommentaren finstere Gestalten, die im Gegensatz zu den wortgewandten Nörglern nicht die Fähigkeit besitzen, ihrer Wut Luft zu machen, ohne sofort mit Zensur oder strafrechtlicher Verfolgung rechnen zu müssen.

Das Netz ist dann doch kein gleichberechtigter Raum für alle, denn hier kann nur auftrumpfen, wer des Lesens und Schreibens ausreichend mächtig ist. Die allseits beliebte “physische Argumentation”, wie sie im realen Leben außerhalb von Facebook, StudiVZ und Youtube per Faust, Schläger oder Waffe stattfindet, ist verbal nur unzureichend umsetzbar.

Wahrscheinlicher ist es, dass ein Hybrid aus Nörgler und Gewaltbereitem oder ein extrem gelangweilter Intellektueller sich die Zerstörung der Diskussionskultur in einem Blog oder Forum zum Hobby macht, um letztlich mit dem erzwungenen Abschalten der Kommentarfunktion eines Blogs den Sieg davonzutragen.

Besonders dazu einladend sind Blog- oder Forenadministratoren, die entnervt Beiträge schreiben, in denen sie den Troll virtuell an den Pranger stellen. Dadurch wird die Situation nicht besser, sondern schlimmer. Der Troll sieht sich in seinem Vorhaben durch die Aufwertung (“Wegen mir wurde was geschrieben!”) bestätigt und legt in Zukunft Wert darauf, genau in die Wunden Salz zu streuen, die im Beitrag als am lästigsten eingestuft wurden.

Der Überfluss

Im Gegensatz zu den unerfreulichen Schreibern gibt es zum Glück viele klar denkende Menschen. Einige davon befinden sich in Grauzonen, wenn sie entweder kleine Punkte eines Beitrags überdiskutieren oder Rechtschreib- und Grammatikfehler korrigiert wissen wollen.
Viel häufiger trifft man jedoch die “Habe-nicht-viel-Zeit-oder-Lust”-Vertreter an, die zum Thema nicht nicht viel mehr als “Gefällt mir, weiter so!” oder “Schöner Artikel. Wieder was gelernt!” schreiben, was für den Autor sicher eine Form der Bestätigung ist, aber im Sinne eines Kommentars an der Grenze zur Belanglosigkeit schrammt.

Die Mangelware

Bleibt letztlich noch der winzige Anteil ansprechender Kommentare, meist verfasst von Leuten, die sich ausführlich mit dem Thema beschäftigt haben und entweder etwas Heiteres oder Wissenswertes beisteuern; etwas, das den Beitrag ergänzt, fundamental erweitert oder gekonnt auf die Schippe nimmt.

Dass sich das Verhältnis zwischen unsinnigen und brauchbaren Kommentaren zum Besseren wandelt, ist derzeit nicht abzusehen. Wieso das so ist, wird im nächsten Beitrag erörtert.

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http://nursokram.de/blog/2010/09/das-rauschen-am-meer-der-irrelevanz/feed/ 0
Grüppchenbildung http://nursokram.de/blog/2010/09/gruppchenbildung/ http://nursokram.de/blog/2010/09/gruppchenbildung/#comments Sat, 25 Sep 2010 14:00:52 +0000 Mathies http://www.nursokram.de/blog/?p=1090 Weiterlesen ]]> Gruppenfoto von Tony Morabito, public domain

Eine Gruppe

Zu jedem Angebot im Netz gibt es eine Art Zielgruppe. Während man auf Seiten wie eBay praktisch jeden treffen kann, sind auf Blogs und Online-Presseangeboten oft nur bestimmte Grüppchen unterwegs.

Je nach Ausrichtung des Angebots treffen sich Interessierte auf den Seiten wie andere in Klubs oder Vereinen im realen Leben.

Auf dem Linken-Blog sind vor allem Linke unterwegs, auf dem Marketing-Blog finden sich Werber (und Ahnungslose) ein, im Rechten-Forum schreiben Rechte. Soweit einleuchtend.

Manchmal kann es vorkommen, dass man per gesinnungsloser Google-Suche auf Seiten gerät, die man aus eigenen Stücken niemals ansteuern würde. Diese sind oft nach zwei Blicken in ihrer eigentlichen Natur erkennbar. Es gibt aber Seiten, die den Anschein zumindest teilweiser Objektivität und Neutralität vermitteln, obwohl sich trotzdem nur Leute bestimmter Gesinnung dort treffen.

Besonders abwegig erscheinende Beiträge und Kommentare auf diesen Seiten können dazu verleiten, einen eigenen Kommentar zu verfassen.

Das ist in etwa so, als würde man uneingeladen in einen fremden Verein gehen und dort ungefragt seine gegensätzliche Meinung in den Raum rufen. Was im wahren Leben zu Blessuren führen könnte, löst im Netz erstmal “nur” heftige Anfeindungen aus.

Wenn man anonym unterwegs ist, hat man praktisch Glück gehabt. Man wird nur auf der aktuellen Kommentarseite beschimpft und herablassend behandelt. Andernfalls fällt das gekränkte Volk über die digitalen Behausungen her und randaliert verbal auf’s Schärfste.

In seltenen Einzelfällen kann es zu problematischeren Übergriffen kommen. Dabei wird die Grenze des Verbalen überschritten und mithilfe von Angriffen wie Denial-of-Service-Angriffen versucht, wichtige Teile der digitalen Existenz zeitweise zu stören. Ziel ist die psychische Destabilisierung der Person.

Meist bleibt der ungeschickte Kommentar trotz aller Folgeerscheinungen im realen Leben konsequenzlos. Das kann sich ändern, wenn der Hass auf die Person allzu stark wird (siehe Sascha Lobos Trollforschung) und sich Leute finden, die in der Nähe der Person leben oder bereit sind, wutbedingt eine gewisse Strecke auf sich zu nehmen, um den mutwillig verschickten Bits und Bytes ein verstörendes Gesicht zu geben.

Mit der Zeit lernt der Kommentierende dazu und vermeidet es, auf gleichgeschalteten Seiten seine Meinung zum Besten zu geben, um zusätzliche Frustration zu vermeiden. Dazu kommt ein weiterer Faktor, der das Schreiben verhindern kann, sogar ganz generell: Aussichtslosigkeit. Dazu mehr im folgenden Beitrag.

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Trauerspiel Online-Diskussion http://nursokram.de/blog/2010/09/trauerspiel-online-diskussion/ http://nursokram.de/blog/2010/09/trauerspiel-online-diskussion/#comments Sat, 25 Sep 2010 13:03:35 +0000 Mathies http://www.nursokram.de/blog/?p=1086 Weiterlesen ]]>

Friant La Discussion Politique

"Friant La Discussion Politique" von Émile Friant, public domain

Kaum ein Klischee bewahrheitet sich im Zusammenhang mit längeren Kommentarsträngen zu Artikeln und Beiträgen in bekannteren Blogs, Foren und der Online-Presse wie die Vorhersehbarkeit des Verlaufs.

Demnach kommentieren zuerst ein paar zustimmende Leute, oft aus dem Dunstkreis des Autors. Mit viel Substanz ist nicht zu rechnen. Ein paar kleinere Anmerkungen können enthalten sein, aber nichts gravierendes.

Danach ist die Gegenseite am Zug. Wenn der Artikel nicht perfekt alle Facetten des Themas ausleuchtet oder politisch nicht alle Seiten abdeckt, wird der Beitrag in Gänze als untauglich abgestraft. Wenn der Beitrag mehr oder weniger perfekt ist, wird bemängelt, dass er zu perfekt ist. Irgendwas findet sich immer.

Nachdem die grundlegenden Seiten geklärt sind, geht es eine Weile hin und her, bis eine neue Gruppe die Spielfläche betritt: Die Advokaten des Teufels.

Die Advokaten sind weder nur der einen, noch der anderen Meinung, stimmen hier ein bisschen zu, lehnen dort ein wenig ab. Der Auftritt soll objektiv und gerecht wirken, auch wenn es nicht selten nur um Provokation und Aufmerksamkeit geht (“Ich kann nichts mehr pro oder kontra schreiben, also schreib ich was dazwischen”). Manchmal sorgen diese Advokaten für Auftritte der Advokatenhasser, die das Gerede der Relativierer nicht mehr ertragen können.

Danach hat die Diskussion meist ein Länge erreicht, die für Neulinge so beängstigend ist, dass sie nicht mehr alle Beiträge lesen und stattdessen mit halber Entschuldigung ihre Meinung kundtun, egal ob positiv oder negativ, um dann entweder abgestraft oder ignoriert zu werden. In seltenes Fällen kommt ein Erklärer vorbei, der aus unerklärlichen Gründen Nachhilfe in Form einer Kurzzusammenfassung gibt, vielleicht auch, um seine Position nochmal ins rechte Licht zu rücken.

Nicht zu vergessen ist bei allem die emotionale Komponente. Aufgrund der zahlreichen Möglichkeiten zum Fehlinterpretieren kurzer Texte ohne Gesicht, Stimme und Körper kann es schnell zu Missverständnissen kommen, die nicht selten zu persönlichen Angriffen führen.

Beliebt sind vor allem das Absprechen der Kompetenz für das aktuelle Thema sowie Unterstellung von Dummheit und unlogischem Denken allgemein.

Gerade hier hört der Spaß für zart beseitete Seelen auf. Der oftmals männlich dominierte rauhe Umgangston sorgt gerade bei unerfahrenen Diskussions-Teilnehmern und Vertretern des weiblichen Geschlechts für Bestürzung, Abscheu und Unmut. Oftmals wird die Diskussion dadurch auch deutlich unproduktiver.
Die Wahrscheinlichkeit, dass einer der Diskussionsteilnehmer während der Diskussion seine Meinung ändert und das eingesteht, geht etwa gegen null. Stattdessen verhärten sich die Fronten und Meinungen meist, sodass die Diskussion letztlich eher wie eine Form der Selbstbestätigung wirkt.

Mitschuld trägt daran die Konsequenzlosigkeit der Diskussion. Während man im “echten Leben” auf seine Umwelt reagieren sollte, um nicht unterzugehen, also auch Kompromisse eingeht und Meinungen anderer annimmt, selbst wenn man anderer Ansicht war, ist man online zu nichts verpflichtet, kann sich problemlos aus dem Weg gehen und alles ignorieren, was nicht ins Bild passt.

In den folgenden Beiträgen beleuchte die ganze Misere etwas genauer.

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Überall Bilder http://nursokram.de/blog/2010/06/ueberall-bilder/ http://nursokram.de/blog/2010/06/ueberall-bilder/#comments Fri, 04 Jun 2010 10:43:05 +0000 Mathies http://www.nursokram.de/blog/?p=958 Weiterlesen ]]> Was nicht bunt und laut ist, erregt keine Aufmerksamkeit. Überall Bilder.

Was gibt es langweiligeres, als sich durch hunderte Seiten Text – schwarz auf weiß – zu kämpfen, wenn man sich den Text vorlesen lassen, als Film oder Comic besorgen kann?

Das Einmalige am Medium Buch ist, dass die darin enthaltenen Figuren und sprachlichen Bilder nicht feststehen. Es sind Platzhalter für etwas, das der Leser erst für sich erfinden muss.

Wenn ein Autor schreibt “Sie hatte das hübscheste Gesicht, das mir jemals unterkam“, bildet sich im Kopf jedes Lesers ein anderes Bild, weil jeder eine andere Vorstellung von einem hübschen Gesicht hat. In einem Film wird dieses Gesicht vorgegeben, es steht fest, zumindest für den Moment.

Auch der Vorleser eines Hörbuchs gibt zum Teil durch Betonung, Sprechweise und Geschwindigkeit vor, wie ein Text zu interpretieren ist (Und wer eine Stelle nicht verstanden hat, muss zurückspulen).

Die phantastischen Welten und Horizonte, die allein durch Beschreibungen im Kopf des Lesers entstehen, können durch kein anderes Medium erzeugt werden und dennoch nimmt die Bereitschaft ab, sich einem Buch zu stellen – weil es anstrengend sein kann, Ruhe und Zeit erfordert, Dinge, die einem scheinbar zu kostbar sind, um sie mit langen Texten zu vergeuden oder einfach nicht vorhanden sind?

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Abmahnwahn http://nursokram.de/blog/2010/05/abmahnwahn/ http://nursokram.de/blog/2010/05/abmahnwahn/#comments Fri, 07 May 2010 19:47:07 +0000 Mathies http://www.nursokram.de/blog/?p=816 Weiterlesen ]]> Schon seit einigen Jahren kocht die Angst vor staatlichem Eingriff oder gar  Zensur in der Netzwelt hoch. Die Machenschaften der Sperrbefürworter und mögliche Infrastrukturen werden lang und breit ausdiskutiert.

Unbemerkt davon öffnen sich fern der Theorie andere Wege. Nicht die Einmischung durch den Staat wird mittelfristig zum Problem, sondern die Abmahnpraxis von Unternehmen und einzelnen Personen.

Seit einigen Jahren bekannt sind die Impressum-Verklager, die relativ wahllos Seiten abmahnen, die ihre Impressumspflicht nicht (korrekt) einhalten. Denen geht es aber letztlich nur ums Geld. Schlimmer sind jene, die kritische Meinungen nicht sehen möchten.

Besonders auffällig und transparent für die Leser arbeitet z. B. Stefan Niggemeier seine rechtlichen Probleme im Blog auf und zeigt den Wahnsinn, der hinter einigen Abmahnversuchen steht (schönes Beispiel). Auch Seiten wie dem Abmahnblog wird die Arbeit so schnell nicht ausgehen.

Tragisch an der zunehmenden Abmahnpraxis ist die finanzielle Hürde, die man überwinden muss, wenn man dem Falschen auf den Schlips getreten ist. Die Kosten für eine gerichtliche Klärung liegen so hoch, dass eine Privatperson kaum ernsthaft ihre Aussagen verteidigen kann.

Gerade mit diesem Wissen ist es für manchen Abmahner leicht, nicht nur fraglos bedenkliche Passagen abzumahnen, sondern auch gegen offenkundig in den Bereich Meinungsäußerung fallenden Text vorzugehen. Dies wird außerdem durch die zum Teil fraglich agierenden Landgerichte (insbesondere das Langericht Hamburg) gefördert.

Es steht zu befürchten, dass sich Abmahnungen mit zunehmender Bedeutung des Netzes als Meinungsplattform häufen werden. Denn umso eher der Ruf geschädigt werden kann, desto schneller kommt es zu Konflikten.

Eine kritische Meinung kann sich nur leisten, wer das nötige Kleingeld hat

* Bild: © dido-ob / PIXELIO

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