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Überall Bilder

Was nicht bunt und laut ist, erregt keine Aufmerksamkeit. Überall Bilder.

Was gibt es langweiligeres, als sich durch hunderte Seiten Text – schwarz auf weiß – zu kämpfen, wenn man sich den Text vorlesen lassen, als Film oder Comic besorgen kann?

Das Einmalige am Medium Buch ist, dass die darin enthaltenen Figuren und sprachlichen Bilder nicht feststehen. Es sind Platzhalter für etwas, das der Leser erst für sich erfinden muss.

Wenn ein Autor schreibt “Sie hatte das hübscheste Gesicht, das mir jemals unterkam“, bildet sich im Kopf jedes Lesers ein anderes Bild, weil jeder eine andere Vorstellung von einem hübschen Gesicht hat. In einem Film wird dieses Gesicht vorgegeben, es steht fest, zumindest für den Moment.

Auch der Vorleser eines Hörbuchs gibt zum Teil durch Betonung, Sprechweise und Geschwindigkeit vor, wie ein Text zu interpretieren ist (Und wer eine Stelle nicht verstanden hat, muss zurückspulen).

Die phantastischen Welten und Horizonte, die allein durch Beschreibungen im Kopf des Lesers entstehen, können durch kein anderes Medium erzeugt werden und dennoch nimmt die Bereitschaft ab, sich einem Buch zu stellen – weil es anstrengend sein kann, Ruhe und Zeit erfordert, Dinge, die einem scheinbar zu kostbar sind, um sie mit langen Texten zu vergeuden oder einfach nicht vorhanden sind?

2 Kommentare

  1. Vermutlich verschieben neue Medien – oder Multimedia-Formate – die Anteile der herkömmlichen Medien beim Konsumenten. Auch das Buch muss von seinem Platz abgeben, den es zuvor nur mit weniger Konkurrenten teilte. Ich denke, dass war auch in der Vergangenheit bei der Einführung anderer Medien schon so. Beim Fernsehen zum Beispiel. Wenn man deswegen nun seltener ins Theater geht, verliert man wie beim Buch auch bestimmte Qualitäten: Die Nähe zum Darsteller, die Räumlichkeit, die immer neue Interpretation. Allerdings bringen neue Medien auch neue Qualitäten: Aktualität, Interaktivität, eigene Gestaltungsfreiheit. Erst einmal als Ergänzung: Es muss das alte nicht komplett ersetzen. Dies ist der Lauf der Dinge – ich denke, dies zu bereuen ist müßig, soweit dadurch keine bedenkliche Verschlechterung der Gesellschaft entsteht. Was als Verschlechterung zu betrachten ist, obliegt freilich dem Individuum, allerdings lassen sich einige semi-objektive Kriterien festhalten, wie das funktionieren der Gesellschaft im Rahmen der vereinbarten Grundwerte und Gesetze.

  2. Ich denke mal, beim Thema Lesen ist es bei mir die Gewohnheit aus vielen vergangenen Jahren, die ein Loslassen schwer macht. Loslassen ist immer schwierig.

    Dazu kommt noch, dass ich glaube, dass die Qualitäten der neuen Medien momentan noch etwas überbewertet sind. Ich könnte mir vorstellen, dass der Drang, schnell veröffentlichbare Inhalte geringer Qualität ins Netz zu stellen, irgendwann abnimmt und sich ein Kompromiss ergibt.