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Auswege aus dem Kapitalismus

Schon vor Wochen gelesen, aber nicht kommentiert: Auswege aus dem Kapitalismus von André Gorz.

Gorz legt einige Thesen zu Problemen des Kapitalismus vor. Eine zentrale Idee ist die des sich selbst aufzehrenden Systems. Der Kapitalismus verlangt unweigerlich nach seiner eigenen Zerstörung.

Die Profitfalle

Demnach ist der ungehemmte Marktteilnehmer profitorientiert. Um Profit zu machen, müssen Waren produziert werden. Durch Prozessverbesserungen in Form von effektiveren oder effizienteren Maschinen können mehr Waren produziert werden, es wird weniger Arbeit benötigt, die Arbeitskosten sinken und der Preis der Ware wird verringert, um Wettbewerber auf dem Markt entgegen zu treten.

“Seltsamerweise” sinkt nach Durchführung dieser Maßnahmen der Profit oder stagniert. Deshalb muss durch Schröpfung der Arbeitnehmer gegengesteuert werden. Entlassungen, steigender Personaldruck und sinkende Löhne sind die Folge. Zusätzlich wird Zeit und Geld investiert, um die Produktivität noch zu steigern, womit der Teufelskreis von vorn beginnt.

Als Lösung des Ganzen kommt für Gorz der Kommunismus ins Spiel. Ab hier wird sich der geneigte Leser etwas kräftiger als sonst schütteln, da das Thema Kommunismus, selbst in seichtester Form, als unmachbar gilt. Für Gorz scheint nur ein politisches System gut oder schlecht zu sein, während der (grundsätzlich gute?) Mensch darin nur Spielball ist. Allzuviel möchte ich allerdings nicht hineininterpretieren, schließlich ist das Buch kurz und bisher meine einzige Lektüre von Gorz.

Bis zur angebotenen Lösung bietet Gorz jedenfalls viele Anstöße zum Nachdenken und Nachvollziehen. Selbst wenn man nur geringfügig mit dem Autor übereinstimmen mag, regt das Buch zum Grübeln und Überdenken der eigenen Einsichten an.

Für politisch mittelprächtig bis stark Interessierte zu empfehlen. amazon

4 Kommentare

  1. Der Witz ist, dass man „oben“ bleibend nicht weiß, ob im Abgrund wirklich das GAME OVER droht. Manch ein Aussteiger findet dort – „unten“ ist freilich eine Frage der Perspektive, unten würde man vielleicht „anders“ sagen – eine stärker befriedigende Welt. Man kann ohne kapitalistischen Erfolg glücklich sein, vorausgesetzt, man sehnt sich nicht danach.

    Ich denke, Kapitalismus ist etwas, nach dem sich wenige wirklich sehnen, wenn sie ihn nicht haben. Es ist eher der Wunsch nach Freiheit, die im kommunistischen System nur beschränkt Platz findet, der die Menschen dann treibt. Kommt Freiheit, kommt zumeist auch Kapitalismus im Gepäck, und legt den Menschen neue Zwänge auf. Nur merkt man das im Kapitalismus weniger, da dieser verführt anstatt zu verbieten. Die Versklavung ist psychischer Natur, nicht physischer.

  2. Danke für die Anmerkungen. Deinen Beobachtungen kann ich zustimmen. Modelle, gerade in Bezug auf Politik oder Wirtschaft, sind oft sehr unzulänglich. Gorz hat zumindest einige Einsichten zu bieten, die über die klassische, weltfremde Lehre vom idealen Markt mit Angebot und Nachfrage hinausgeht.

    Im Sinne von Gorz muss ich noch ergänzen, dass er im Buch durchaus zwischen Real- und Finanzwirtschaft unterscheidet. So gesehen bezieht sich das angegebene Modell nur auf eine (vereinfachte) Darstellung der Realwirtschaft.
    Die enormen Unterschiede zwischen Finanz- und Realwirtschaft hebt Gorz auch stark hervor. Der Realmarkt mit seinem Warenhandel ist für die spekulationsfreudigen Menschen zu klein und transparent. Daher spekulieren sie auf die künftige Entwicklung von Unternehmen ohne dabei “Wert zu schöpfen”.

  3. Zwei Voraussetzungen erscheinen mir fragwürdig:

    „Um Profit zu machen, müssen Waren produziert werden.“ – Ich denke, die Finanzwelt zeigte uns in den letzten Monaten und Jahren (ironischer Weise im Zusammenhang mit ihrem zwischenzeitlichen Scheitern), dass dies nicht stimmt. Man kann auch am Handel mit Dingen profitieren, die es nicht gibt, oder – konservativer – zumindest nicht ihrem Etikett entsprechen. Pech ist nur, wenn irgend jemand, dem man verpflichtet ist, die Dinge einmal real sehen will. Es gilt daher, den Profit mitzunehmen und den schwarzen Peter rechtzeitig weiterzuschieben. Banken geben ihn gern an ihre Kunden weiter, wenn ihn sonst keiner mehr nimmt.

    Der zweite Punkt ist, dass die einmal entwickelte Ware als dann schicksalhaft gegebene Lebensgrundlage gesehen zu werden scheint. Sicher wird sie immer billiger, die Produktionskosten dafür gesenkt. Es gibt allerdings parallel neue Innovationen, bei denen der Kreislauf von neuem beginnt. Wir haben es also nicht mit einer andauernden Spirale nach unten zu tun, sondern springen von einer Spirale nach unten hoch zur nächsten Spirale nach unten. Es ist wie bei manchen Jump ‘n’ Runs: Man hüpft von einem Block zum anderen, alles bricht unter einem weg, doch hält man sich oben, solange man weiter hetzt ohne der Versuchung zu erliegen, einmal tief durchzuatmen und zu reflektieren*.

    Nicht, dass ich diese beiden Widersprüche der Realität gegenüber Deiner bzw. der Darstellung des Buches als Gewinn für die Menschheit preisen würde … aber, sie ignorierend, Schlussfolgerungen über das Schicksal des Kapitalismus zu ziehen, ist zu kurz gegriffen.

  4. Mir scheint, dass die meisten Menschen nicht bereit sind, sich auf ein “anders” einzulassen. Der Widerstand zu einer anderen Haltung muss gering sein, was nur in seltenen Fällen so zu sein scheint, leider.

    Der Ausdruck individueller Freiheit durch lockenden Individualkonsum scheint eine Antwort des Kapitalismus auf den Wunsch nach Individualität und Freiheit zu sein, ist es aber meiner Meinung nach nicht.
    Die Antwort findet man nur im eigenen Kopf. :)