Am nächsten Tag ist es mal wieder Zeit für schlecht bezahlte Schwarzarbeit. Ich arbeite als Unterstützung für eine Managerin, die sich nicht um alles kümmern will. Ich weiß nicht mehr so ganz genau, wie ich eigentlich an diese Arbeit gekommen bin …
Ich sollte weniger kiffen, dann könnte ich mich an sowas vielleicht erinnern.
Als ich heute den üblichen Raum betrete, sitzt Manfred wieder wie gewohnt an seinem Platz und grinst mich wie früher an als wäre nichts gewesen.
“Du … hier?” stottere ich.
“Wo denn sonst, Bubi?”
“Du warst doch in den letzten Wochen gar nicht hier. Krank oder so. Selbst die Sekretärin wusste nicht, wo du bist. Die wirkte, als wenn sie dich nicht kennt”
“Unsinn, Junge! Was redest du für wirres Zeug? Hast du schlecht geschlafen?”
“Nein, nein, Mann. Ich verstehe nur einfach gar nichts mehr. Wo warst du denn die letzten Wochen?”
“Johann, jetzt mal ganz ruhig. Wie immer habe ich hier gesessen und habe meine Arbeit erledigt. Im Gegensatz zu dir war ich ziemlich oft da. Keine Ahnung, was du getrieben hast, aber ich habe hier gearbeitet, von früh morgens bis abends. Alles klar?”
“Ja, ja. Gut, was soll’s, Manfred. Dann wird es wohl stimmen. Ich schlafe wohl zu wenig oder so”
“Ganz ehrlich, Johann: Du solltest dich mal untersuchen lassen. Nicht, dass du so eine ganz frühe Demenzerkrankung hast oder so. Das kann ganz bös’ enden. Ich will schließlich nicht, dass du irgendwann bei Dignitas aufläufst, nicht wahr? Das kann es kaum sein”
“Sicher, sicher”, sage ich. Mir wird das Ganze zu bunt. Mir ist auch schon klar, was passiert, wenn ich Frau Hansen im Sekretariat mit meinem Problem belaste. Sicherlich wird sie mir diesmal erzählen, Manfred wäre schon die ganze Zeit da und wäre nicht mal für einen Tag ausgefallen. Ich will es gar nicht hören.
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