Nach zwei Monaten lässt mich Sarah zum ersten Mal ihre Wohnung sehen.
Die Wände ihrer kleinen Wohnung sind mit Postern regelrecht tapeziert. Die meisten sind schwarz-weiß, nur ein paar wenige sind bunt, wenn auch sehr fahl.
Die Motive sind allesamt düster und apokalyptisch. Viele der Poster sind von nur einem Künstler, den sie sehr gut findet, wie sie mehrfach betont. Meist sind keine klaren Motive darauf zu erkennen, sondern nur einzelne Objekte und Objektteile, die ineinander verwoben zu sein scheinen. Viel genauer möchte ich es eigentlich gar nicht wissen.
In ihre Wohnung fällt kaum Licht. Sie meint, dass sie viel Helligkeit als unangenehm empfindet. Das widerspricht meinem persönlichem Empfinden, obwohl ich auch von Zeit zu Zeit die Gardinen zuziehe.
Bei ihr gibt es keine Gardinen, aber das macht kaum einen Unterschied, denn die Fenster ihrer Zimmer zeigen auf eine gegenüberliegende Hauswand. Wenn man sich umbringen wollte, würde man es hier kaum schaffen, weil der Spalt zwischen den Häusern zu schmal ist, um einen ausgewachsenen Menschen ohne Weiteres dazwischen zu lassen.
Auf die Frage, ob sie manchmal Freundinnen hierher einlädt, erwidert sie beschämt, dass sie kaum welche hat und die wenigen festen Freundinnen nicht verprellen möchte.
Dazu sage ich lieber nichts. Vermutlich hat sie recht. Andererseits frage ich mich auch, ob ich ihre Freundinnen jemals kennen lernen möchte.
Sarah hat keinen Fernseher, dafür aber einen kleinen Laptop, den sie zum Schreiben von Mails und Dokumenten verwendet. Ihre sonstige Freizeit verbringt sie mit Lesen und Schreiben, sagt sie. Auf einem antik wirkenden Schreibtisch liegen viele Seiten Papier und einige Blöcke.
Sie scheint das wirklich ernst zu meinen.
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