Vor Kurzem war ich bereit, mich von einer eigenen Domain und Webspace zu verabschieden, um stattdessen bei einem Bloghoster unterzukommen.
Die Vorteile machten einen guten Eindruck:
- keine Updates für die Blogsoftware – Das machen andere für mich. Kein “Bitte aktualisieren Sie ihre Software auf Version V.W.X.Y.Z“, in der zwei Sicherheitslöcher gestopft wurden (a: In manchen Browsern kann es beim Drücken der Windowstaste während des Editierens eines Texts zu spontanem Auftreten von schwarzen Löchern kommen; b: Beim Abschicken eines neuen Artikels kann unter bestimmten Umständen der Geist des verstorbenen Osama Bin Laden mitlesen)
- keine Probleme beim Ansturm durch fehlgeleitete Interesseheuchler – Für den Fall, dass ein Beitrag auf einer halbwegs nennenswerten Plattform von Menschen mit einem großen Linkfolgebedürfnis in großer Zahl erreicht wird, wird nicht mein Anteil eines Anteils eines einer virtuellen Maschine, die auf einem 486er läuft überrrant, sondern WordPress.com.
- eine Wahnsinnscommunity – Auf WordPress.com wird nicht nur mein Blog, sondern auch der von vielen anderen, schillernden Persönlichkeiten (*hust*) gelagert. Man kann auf einen Blick sehen, was heute so geht und welche Blogs neuerdings der letzte Schrei sind.
- Entbindung von so manchen Pflichten – Wer eine eigene Domain und Webspace betreibt, muss sich begrenzt um die Infrastruktur kümmern, Backups machen, von Zeit zu Zeit den Knebelvertrag überdenken und ab- und an Aufräumen. Auf WordPress.com bleibt einem das erspart.
Die Wirklichkeit hat mich aber wieder einmal eines besseren belehrt. Schon nach wenigen Tagen wurde mir klar, dass die Plattform nicht ganz meinen Erwartungen entspricht:
- Geschwindigkeit – Wer hofft, dass man auf WordPress.com schnell ans Ziel kommt, wird enttäuscht. Die gefühlte Geschwindigkeit der ohnehin nicht für High Performance bekannten WordPress-Oberfläche erreicht in der bereitsgestellten Variante Negativrekorde (Der Entwurf wird gerade gespeichert? Na, dann kann ich ja eben nochmal nen Tee aufsetzen).
- Plugins – Weil man dem zahlungsunwilligen Pack nicht so recht vertraut, darf man sich mit den Plugins zufrieden geben, die WordPress automatischn integriert. Eigene Plugins sind nicht erlaubt. Wenn es zumindest welche gäbe, die man nach Wahl zu- und wegschalten könnte …
- “Community” – Wer sich im englischsprachigen Raum bewegt, mag mit dem Angebot ausreichend glücklich sein. Auf nationaler Ebene ist das Angebot etwas dürftiger. Der Topblog schlechthin ist derzeit ein Big-Brother-Blog. Unter den etwas weniger beachteten Blogs befinden sich übermäßig viele unlustige und uninteressante zur Vertretung von Politspinnern, Autonomen, Paranoiden und gelangweilten Muttis (und solche, die es mal werden wollen). Es gibt sicher auch gute Blogs. Aber keine Ahnung, wie man die findet.
Die Schwachpunkte haben mich letztlich mehr gestört als die Nachteile eines Webspace-Pakets. Daher geht’s ab jetzt wieder hier weiter.
Danke für diese unterhaltsame Erläuterung. Wenn ich noch einen WordPress.com-Minuspunkt hinzufügen darf: Akismet lässt sich bei WordPress.com meines Wissens nicht deaktivieren. Dieser Dienst ist ein Spam-Filter, und wie das mit Filtern so ist: Sie können leicht zur Filterung unliebsamer Nutzer oder Meinungen genutzt werden. Damit meine ich nicht Meinungen, die dem Blogger unliebsam sind, sondern solche, die WordPress.com/Akismet/Gravatar… Automattic nicht lieb sind. Über den Kopf des Bloggers hinweg. Beschwerden dieser Art gibt es. Freilich ist es schwer, deren Berechtigung zu beurteilen, aber ich finde es auf jeden Fall unbefriedigend, nicht die Wahlfreiheit beim Einsatz eines Filters zu haben.