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Musik oder Lärm?

Moderne, erfolgreiche Musik darf und kann nicht leise sein.

Leise Musik ist unhörbar

Man hört Musik nicht mehr nur zuhause, wo man zumindest die Möglichkeit hat, sich Ruhe und Zeit zum Hören zu nehmen, sondern auch gern unterwegs im Zug, im Auto, beim Spazieren, während des Sports oder wenn einem langweilig ist.

In vielen Fällen müssen dabei erhebliche Umgebungsgeräusche übertönt werden. Wer nun beispielsweise versucht, klassische Musik oder Jazz zu hören, muss ständig die Lautstärke des Players anpassen, denn solche Musik zeichnet sich durch besonders starke Dynamik aus. Manchmal ist die Musik an der Grenze des Hörbaren, um Sekunden oder Minuten später am anderen Ende des Pegels anzukommen.

Aus Goreckis 3. Sinfonie: leise und laut

Aus Goreckis 3. Sinfonie: leise und laut

Wenn Umgebungsgeräusche die Musik stören, sind die leisen Abschnitte nicht zu hören, also muss man lauter stellen. So, wie dadurch die untere Grenze angehoben wird, geschieht es auch mit der oberen. Während die untere Grenze nun hörbar ist, fallen einem bei den lauten Abschnitten die Ohren ab.

Einfacher und praktischer ist es also, wenn die Musik recht gleichmäßig auf einem Pegelstand verharrt. Entsprechend hat sich die Musikindustrie darauf eingestellt und produziert vor allem Pop und Rock auf Maximal-Pegel.

Sophie Ellis Bextor: Murder on the Dancefloor

Sophie Ellis Bextor "Murder on the Dancefloor": fast nur laut

Auf Lärm getrimmte Musik kennt keine Zwischentöne, ist grell und auf Dauer emotional deutlich weniger ansprechend als sie sein könnte. Besonders der Faktor Zeit ist dabei entscheidend. Laute Musik ist gerade im ersten Moment interessant, reißt die Aufmerksamkeit des Hörers auf sich und kann ihn so begeistern.

Doch dieser Effekt geht schneller verloren als eigentlich nötig, nicht nur wegen fehlender Dynamik. Durch die künstliche Gleichmachung gehen außerdem Frequenzen verloren, die durch die aus dem hörbaren Bereich “gedrückt” werden.

Pärt verbogen

Zur Verdeutlichung hier ein Beispiel mithilfe der letzten Sekunden aus Arvo Pärts 3. Sinfonie. Dargestellt und abspielbar sind nacheinander die unbearbeitete Version ohne jegliche Verluste und danach eine künstlich im Pegel angehobene Version, in der weniger Unterschiede in der Lautstärke auftreten.

Finale aus Pärts 3. Sinfonie: Crescendo

Finale aus Pärts 3. Sinfonie: Crescendo

Original-Ausschnitt: Arvo Pärt – 3. Sinfonie – Alla breve

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Finale aus Pärts 3. Sinfonie: Lärm

Finale aus Pärts 3. Sinfonie: Lärm

Bearbeiteter Ausschnitt1 Arvo Pärt – 3. Sinfonie – Alla breve

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Ein Ende der lauten Ära ist vorerst nicht in Sicht.

Zum Weiterlesen

Für die Hüter der Tonträger und Interessierte

  1. Für die technisch Interessierten: Entstanden mit Reaper und einer Spur für die Originalspur mit Cockos ReaComp (Kompressor), mda Loudness (simpler Verstärker) und Kjaerhus Classic Master Limiter []

2 Kommentare

  1. hallo! sehr guter beitrag zum thema. die info war sehr nützlich für mich und hoffe dass mehr leute diesen artikel lesen.

  2. Hallo Daniel,

    Ich freue mich, dass dir der Artikel etwas gebracht hat.
    Für die Gegner lauter Musik bleibt momentan oft nur noch der Weg in den Laden, zum Kaufen eines Gehörschutzes ;)