Der Alltag Jürgen Krechs
Krechs ist seit 40 Jahren Informatiker – allerdings nicht im heutigen Sinn, denn er ist ein so genannter Web-Entwickler. Dieser im Aussterben begriffene Beruf ist Krechs Berufung seit seinem 12. Lebensjahr, als er begann, einfache Projekte aus purer Neugier umzusetzen.
Zentrales Mittel seiner Arbeit ist das „Web“, ein Netz also, das Inhalte speichern und „überall“ verfügbar machen kann. Auch aktuelle Netze funktionieren nach diesem Prinzip, nur technisch weit fortschrittlicher.
Noch vor wenigen Jahrhunderten war dieses Netz aus dem Alltag der Allgemeinheit kaum weg zu denken. Mit mobilen Telefonen und statischen sowie mobilen Geräten bewegten sich die Nutzer in diesem Netz, das grob gesehen ein digitales und durchsuchbares Equivalent zum Buch darstellte, erweitert um – zu großen Teilen fraglichen – Multimedia-Inhalten (Erotik, sinnlose Kurzfilmchen, minderwertige Spiele etc., später auch Spiele und vor allem Filme für jedermann, die beispielsweise zum Untergang der Videotheken beitrugen). Das Netz konnte im Regelfall entweder durch eine Zugangssoftware, genannt „Browser“, und dessen Ökosystem, benutzt werden. Die Gesamtheit der Daten, die über mehrere Jahrhunderte angelegt wurde, ersetzte schließlich das Buch als Haupt-Medium für multimediale Informationen.
Erst mit zunehmender Verteilung von Software über dieses Netz wurden auch reguläre Anwendungen übertragen und konnten ohne zusätzliche Medien, wie zum Beispiel die damals üblichen Datenträger auf ein System kopiert und installiert werden.
Manche blicken sehnsüchtig auf die „alten Zeiten“ zurück, als die Vernetzung noch eine Neuheit darstellte und viele aus heutiger Sicht simplen Aufgaben noch mit großem Aufwand getätigt werden mussten. Nur wenige Hobbyisten versuchen heute noch, sich ähnliche Verhältnisse zu schaffen, um das damalige Lebensgefühl kennen zu lernen.
Aber zurück zu Jürgen. Seine Arbeit besteht darin, Texte, Bilder und andere Inhalte zu erzeugen, die er mühselig in zum Teil in Handarbeit, zum Teil programmatisch und größtenteils mit einfachsten Mitteln produziert. Zentraler Baustein sind dabei HTML-Dateien. „HTML“ wird Ihnen vermutlich nichts mehr sagen. HTML, die HyperText Markup Language, benutzte man damals zum Erzeugen von formatiertem Text. Ja, Sie lesen richtig, nur Text. Mithilfe weiterer Dateien – ohne hier zu technisch werden zu wollen – konnte deren Aussehen festgelegt werden.
Ein großer Vorteil der HTML-Dateien war es, dass sie Querverweise auf andere Seiten und Inhalte enthalten konnten. Über einfache Menüführung bis hin zu komplexen Informationsnetzen war einiges möglich.
Abbildung 1. typischer Arbeitsplatz eines Web-Entwicklers[1] mit antiquierten Monitoren und einer damals populären Seite mit befremdlichem Namen

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Natürlich mögen selbst die fortschrittlichsten Aspekte dieser Technik altertümlich auf Sie wirken, aber trotz der eng gesetzten Grenzen war diese Technik damals ein in sich geschlossenes System und ein wichtiger Schritt zu den weiter entwickelten Netzen heutzutage.
Jürgen hat nur wenige Kunden. Die meisten sind an dem Resultat seiner Arbeit nicht in einem prakischen, sondern eher künstlerischen Rahmen interessiert, denn heutige Netzte erlauben Interaktivität, Inhalte und Verfügbarkeit, gegen die HTML-Seiten geradezu unpraktisch und sinnlos beschränkend wirken. Aber vielleicht ist es genau dieses enge Stecken von Grenzen und das Engagement von Menschen wie Jürgen, die fast ausgestorbene Techniken zu neuem Leben erwecken.
[1] Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Web_developer